25.02.2026, BZR, Blog

KI erschreckt uns wie damals der PC

In unserem Zeitungsarchiv verstecken sich einige Schätze. So auch ein Artikel aus dem Jahr 1984 mit dem Titel «KV Altstätten im Computerzeitalter». Der damalige Wortlaut ist dem heutigen sehr ähnlich.

Anfang der 1980er-Jahre waren stolze fünf Kleincomputer im Kellergeschoss der kaufmännischen Berufsschule der Beweis dafür, dass «etwas geht in Sachen Computer». Die EDV-Anlagen und Bildschirme seien schon zur Selbstverständlichkeit in den Büros geworden. «Um mit dieser technischen Entwicklung Schritt zu halten», werde von den Berufsleuten Flexibilität und berufliche Weiterbildung erwartet. Im KV Altstätten nahm man sich deshalb vor, der Informatik in Zukunft mehr Wichtigkeit einzuräumen, weitere Schulcomputer anzuschaffen und auch den Lehrplan dementsprechend anzupassen.

Laut Aussagen eines interviewten Lehrlingsbetreuers kämen die Lehrlinge im Gegensatz zu den älteren Angestellten besser mit den neuen EDV-Anlagen zurecht. Allgemein passten sich die Jüngeren viel schneller an, als erwartet: «Man wirft sie ins Wasser, und sie schwimmen», meinte er.

Damals wurde der Computer von vielen noch als «bessere Schreibmaschine» verstanden, auf der sich – welch Glück – «die jungen Damen ebenso gut zurechtfinden wie ihre männlichen Kollegen». Sorgen bereiteten lediglich diejenigen Mädchen, die die KV-Ausbildung als Notlösung ansahen. Es bestand nämlich die Gefahr, dass sie den neuen Anforderungen «nur mit Mühe genügen werden».

Abgesehen von diesem sexistischen Vorurteil bezüglich des Könnens von Frauen sind 42 Jahre später also einige Parallelen zu erkennen, was neue Technologien betrifft. Die Faktoren Zeitersparnis und Effizienz liegen und lagen wohl auf der Hand. Trotzdem wurden auch viele negative Gedanken sowie Befürchtungen damit verbunden. Damals die gleichen wie heute.

Die vier herausgehobenen Zitate in diesem Text stammen von damaligen Lehrlingen. Sie erinnern an Gespräche, die heute geführt werden, wenn es um künstliche Intelligenz geht. Wie also mit Neuem umgehen? Ein Zeitgenosse von 1984 empfand es als äusserst wichtig, dass EDV in der Schule unterrichtet wird…
«... da man sich den Möglichkeiten, die durch die Datenverarbeitung neu entstehen, nicht entziehen sollte. Meist ist es ja so, dass man sich vor dem Unbekannten fürchtet. Der Begriff Computer beinhaltet für viele, besonders ältere Menschen, zahlreiche negative Aspekte. Obwohl nur der Mensch allein den Computer oder jede andere Maschine zu lenken vermag, wird der Computer bald schon als eigenständiges Wesen angesehen, dem man sich ausgeliefert fühlt. Je genauer man sich jedoch mit der Materie beschäftigt, desto geringer wird die Angst.»

Und was meint Rolf Grunauer, der aktuelle Rektor des Berufs- und Weiterbildungszentrums Rorschach-Rheintal, dazu? «KI verändert die ganze Bildungslandschaft in grossem Stil und Tempo. Sie hat viel Potenzial, birgt aber auch Risiken», sagt er. Es gehe aber auf keinen Fall darum, die aktuelle Entwicklung zu verhindern. Die Frage sei, wie man damit arbeite und die neuen Möglichkeiten so nutze, dass es für den Lernprozess gewinnbringend ist. Ausserdem müssten die Prüfungsformate neu angepasst werden.

Im BZR versuche man also, sich konkret mit der Technologie auseinanderzusetzen. Dafür wird aktuell an einem KI-Leitbild und einem darauf basierenden digitalen Lernpfad für alle Lernenden gearbeitet, um einen systematisch-strukturierten Rahmen für den Umgang mit künstlicher Intelligenz zu schaffen. Die gelehrten Kompetenzen sollen dabei helfen, KI intelligent zu nutzen, aber auch kritisch zu hinterfragen.

Ob er sich Sorgen wegen potenziell wegfallender Arbeitsstellen macht? «Die ersten, die eine Stelle verlieren werden, sind diejenigen, die sich nicht mit den neuen Technologien auseinandersetzen», sagt Grunauer.

An dieser Stelle lohnt sich ein Verweis auf das Fazit des Artikels von 1984: «Da in Sachen EDV die Entwicklung in den letzten zwei, drei Jahren erst angelaufen ist, ist für die nächste Zukunft mit einer rasanten Weiterentwicklung zu rechnen, der die jungen Leute in der Berufsausbildung dank ihrer Beweglichkeit und Dynamik recht wohl gewachsen scheinen.»

Gleiches ist auch jetzt zu hoffen. Für uns alle. In Sachen KI.

Bericht: Anna-Lena Grünzinger, Der Rheintaler