20.03.2019, Blog

Das BZR Rorschach-Rheintal ist jetzt Teil des Unesco-Netzwerks – als erste Berufsfachschule der Schweiz

Während Kantischüler fürs Klima auf die Strasse gehen, setzen sich auch Lernende mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander. Das Berufsfachschulzentrum Rorschach-Rheintal ist seit kurzem Mitglied des Unesco-Netzwerks. Das bringt Verpflichtungen mit sich.

Bild: Laura Manser

Massnahmen zum Klimaschutz fördern, Gleichstellung von Mann und Frau erreichen, für nachhaltigen Konsum und Produktion sorgen: Die Ziele, die die UNO auf ihre Agenda 2030 gesetzt hat, könnten aktueller nicht sein. Das Berufsschulzentrum Rorschach-Rheintal (BZR) will die Umsetzung aktiv unterstützen. Denn seit kurzem ist das BZR Teil des internationalen Netzwerks der UNESCO-assoziierten Schulen, des ASPnet – als erste Berufsfachschule der Schweiz.

Im Schulhausgang macht ein grosses roll-up auf die UNESCO und das Schulnetzwerk aufmerksam. Im Sitzungszimmer nebenan sitzt Bernd Rohleder vor einem Stapel Sichtmäppli. Der Lehrer für Allgemeinbildung hat den Anstoss für die Mitgliedschaft gegeben. Die Idee kam ihm, als er nach einem Projekt für seine Intensiv-Weiterbildung suchte. Dem Netzwerk der UNESCO-assoziierten Schulen gehören über 11'000 Bildungsstätten in 182 Ländern an. Beitreten können alle öffentlichen und privaten Einrichtungen der Vorschul-, Primar- und Sekundarstufe sowie Fachschulen, Berufsfachschulen und pädagogischen Hochschulen. In der Schweiz zählt das Netzwerk 60 Schulen.

Als Bernd Rohleder diese Liste zum ersten Mal sah, fiel ihm auf, dass keine Berufsfachschule vertreten ist. Für ihn ist klar: Ideelle Bildung muss auch in der dualen Berufsbildung ihren Platz haben.

«Das Projekt geht über den Unterricht hinaus»

«Klimawandel und nachhaltiger Konsum und Produktion sind für demonstrierende Kantischüler, aber auch für Berufslernende ein wichtiges Thema», sagt Rohleder. «Auch die grosse soziale Ungerechtigkeit auf der Welt ist ein Thema im Klassenzimmer.» Doch auf das, was «die da oben» entscheiden, habe man ja sowieso keinen Einfluss – solche Sätze höre er immer wieder von seinen Lernenden. Bernd Rohleder findet:

«Wir können und müssen dort ansetzen, wo wir selber etwas ändern können.»

Das UNESCO-Projekt gehe über den Unterricht im Klassenzimmer hinaus, sagt er. Über zwei Jahre lang hat er sich mit dem Anmeldeprozedere beschäftigt. Er erarbeitete ein Konzept für Finanzierung und Organisation und rief eine interne Koordinationsgruppe ins Leben. Nachdem die Schulleitung grünes Licht gegeben hatte, stellte er den Aufnahmeantrag an die UNESCO. Kurz darauf ging's mit zwei Lernenden und zwei Lehrpersonen nach Solothurn zur Jahrestagung, der Antrag ging indes weiter ans Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten, bis im April 2018 aus Paris schliesslich die Bestätigung kam: Das BZR ist nun eine ASPnet-Schule.

Die Themen der Unesco im Schulalltag umsetzen

Die Mitgliedschaft bringt eine Verpflichtung mit sich. Die Verpflichtung, die Themen der UNESCO im Schulalltag umzusetzen und die Lernenden auf eine nachhaltige Entwicklung und auf interkulturelle Toleranz zu sensibilisieren. Dies hat das BZR etwa während der Kulturwoche 2018 getan. In der Lokremise wurden an zehn Vorstellungen fünf verschiedene Filme zu den Themenschwerpunkten gezeigt. So beispielsweise der Dokumentarfilm Eldorado, in dem Regisseur Markus Imhoof einen persönlichen Blick auf die Flüchtlingskrise wagt. Alle Filme wurden in Gesprächen mit Fachleuten beleuchtet.

Fünf Franken hat jeder Besucher für diese Kulturwoche beigesteuert. Der somit generierte Betrag sollte einer gemeinnützigen Organisation zu Gute kommen. Die schulinterne UNESCO-Koordinationsgruppe hat den Lernenden via Delegiertenversammlung Vorschläge unterbreitet, über die dann alle Lernenden abstimmen konnten. Partizipation, Basisdemokratie, ganz im Sinne der UNESCO.

Zur Wahl standen der Verein Sea-Watch, der in Seenot geratene Flüchtlinge rettet, das Rorschacher Kulturlokal Treppenhaus und die RestEssbar in St.Gallen. Letztere hat schliesslich deutlich das Rennen gemacht. Wohl deshalb, weil die Lebensmittelverschwendung für alle ein greifbares Problem sei - unabhängig von politischen Einstellungen, sagt Rohleder. «Uns war wichtig, dass sich die Lernenden mit diesen Organisationen auseinandersetzen und sich eine Meinung darüber bilden.» 1000 von 1800 Lernenden haben bei der Umfrage mitgemacht, eine erfreuliche Stimmbeteiligung.

Damit die Berufsfachschule ihre Mitgliedschaft behält, muss das BZR jedes Jahr einen Bericht über die Schulaktivitäten liefern. Im Mai 2019 wird wieder die Kulturwoche stattfinden. Daneben sind Aktionstage und Unterrichtseinheiten zur UNESCO-Thematik sowie eine Kooperation mit deutschen ASPnet-Schulen geplant Das roll-up im Schulhausgang bleibt stehen - damit immer wieder daran erinnert wird, wozu man sich verpflichtet hat.

Linda Müntener - St. Galler Tagblatt