19.02.2021, Blog

«Direktbeteiligte werden nicht genügend eingebunden»

In einem neuen Vorstoss aus dem St.Galler Kantonsrat gibt es erneut Kritik am Vorgehen der Regierung bei der Erarbeitung der Berufsschulstrategie. Wurde bereits «top-down» versucht, das BZR Rorschach-Rheintal zu zerschlagen, werden auch jetzt wichtige Stakeholder nicht eingebunden.

Rheintal24 hatte bereits umfangreich berichtet: Im Oktober gab die St.Galler Regierung bekannt, dass sie in Rorschach im Gebäude des BZR Rorschach-Rheintal ein Kompetenzzentrum für Gesundheitsberufe aufbauen will. Die Konsequenzen daraus wären, dass der bisherige Standort in St. Gallen geschlossen würde. Das Berufsfachschulzentrum in Rorschach müsste Platz für die Gesundheitsberufe machen und seine derzeitige äusserst erfolgreiche Struktur zerschlagen werden. Die dortigen Ausbildungen würden dezentral auf andere Standorte verteilt.

Widerstand der Betroffenen

Dagegen entwickelte sich Widerstand. Es wurde kritisiert, dass nicht einmal die Rektoren der betroffenen Schulen oder die Berufsschulkommissionen involviert gewesen seien. Die Regierung verteidigte hingegen ihren «Top-Down-Entscheid».

In der Novembersession überwies der Kantonsrat eine Motion, in der verlangt wurde, dass vor solchen Beschlüssen ein Gesamtkonzept vorliegen müsse. Nach der Abstimmung im Rat war allerdings nicht klar, ob sich die Motion nur auf künftige Entscheide bezieht - oder auch auf den bereits gefällten Regierungsbeschluss.

Pläne für Gesundheitsberufe aufgeschoben

Im Januar bestätigte dann aber die Regierung, dass die Umsetzung der Pläne für die Gesundheitsberufe und für das Berufsbildungszentrum Rorschach vorläufig aufgeschoben sei. Zuerst sollten nun im ganzen Kantonsgebiet Varianten für Kompetenzzentren in der Berufsbildung geprüft werden. Zum Ergebnis gebe es dann eine Vernehmlassung. Das Parlament werde dann in der Februarsession 2022 darüber befinden können.

Im Zuge der Erstellung des Grundlagenpapiers «Strukturenmodell Berufsfachschulen 2020» werden bereits wesentliche Kriterien, wie Berufsfelder, Schulgrössen, Anzahl der Schulen u.a. definiert, auf deren Basis dann Variantenentscheidungen gefällt werden sollen.

Neuerlich nicht involviert

Wie die verschiedenen Beteiligten aus Schulleitungen und Berufsschulfachkommissionen feststellen mussten, wurden sie bei der Erstellung dieses Grundlagenpapiers neuerlich nicht involviert. Erneut werden wichtige Entscheidungen über Grundlagen ohne den Einbezug von Fachleuten und Betroffenen «von oben» festgelegt.

Was je einen Kantonsrat der Fraktionen von CVP-EVP, FDP, Grünen, SP und SVP dazu veranlasste, eine entsprechende Interpellation einzureichen. Unter den Antragstellern befindet sich auch Schulleiter Sandro Hess aus Rebstein (CVP), ein Experte in Sachen Bildungswesen und Gastkommentator von rheintal24.

Die Regierung solle folgende Fragen beantworten:

  1. Wie wird sichergestellt, dass die Direktbeteiligten und die Stakeholder in geeigneter Weise und phasengerecht, und frühzeitig in das Projekt eingebunden sind?
  2. An den verschiedenen Berufsschulstandorten sollen die Kompetenzen besser gebündelt werden. Welches Kompetenzcentermodell liegt dem Projekt zugrunde?
  3. Auf welchen wissenschaftlichen Grundlagen basiert dieses betreffende Modell? Wie wurde es erarbeitet?
  4. Spielen die Standorte der überbetrieblichen Kurse in Zusammenspiel mit den Berufsschulen eine wichtige Rolle?

rheintal24.ch